Die Fähre am Morgen - zurück auf’s "Festland" legt pünktlich ab. Genau genommen fährt sie sogar 5 min früher ab - gut dass wir nicht "getrödelt" haben.
Das Hafengelände ist nicht abgesperrt, es gibt keine Schranke oder Kette, welche die Autos nach dem Ablegen der Fähre daran hindert ins Hafenbecken zu fahren (gab’s da nicht mal lustige Navi-Stories
Die Überfahrt ist viel ruhiger als gestern (schade kein schönes Schaukeln
... zum "Duschen"
Thingvellir ist trotz einiger Besucher ruhig und schön. Der See ist mit Vogelgesang entspannend und fischreich. Bis zum Juli darf man im Nationalpark sogar angeln - was viele Isländer auch nutzen. Ja, und es gibt hier auch Fliegen - viele sogar.
Die "Kontinentalplatten-Kante" in Thingvellir ist von unten gesehen schon beeindruckend. Hier driften die amerikanische und die eurasische Platte jährlich um etwa 2 cm auseinander.
Taucher nutzen die Gelegenheit in den blauen, kristallklaren Spalten zu tauchen. Der Blick "von oben" lässt erahnen, warum das ein guter Versammlungsort war - ein fantastischer Blick über Island.
Reykjavik ist größer als wir dachten. Wir übernachten zentral in einem kleinen, "süßen" Apartment. - Das Zentrum von Reykjavik ist erfreulich gemütlicher als es die dreispurige Hauptstraße erahnen ließ. Das Stadtzentrum bietet eine bunte Architektur-Mischung - nicht zu groß und immer geprägt von Skandinavischer Zweckmäßigkeit.
Viele Gebäude auf Island wirken auf uns irgendwie "sozialistisch".
Hübsche Holzhäuser reihen sich an hässliche 50-iger Jahre-Zweckbauten und werden immer wieder unterbrochen von Neuzeit-Glasgebäuden.
Die Oper aus Glas am Hafen erinnert an einen großen Gletscher-Brocken.
Die "Hallgrimmskirka" (ein Wahrzeichen von Reykjavik) wirkt vor dem Isländischen "Wechsel-Himmel" bedrohlich schön. Sie wirkt größer als sie eigentlich ist.
Wir finden dass es mit Island ganz ähnlich ist. Das Land wirkt durch die abwechslungsreiche Natur auch viel größer!
Wahnsinn, schon einen Tag nach der feuchten Salzluft auf den Westman-Inseln zeigt sich das Ergebnis an den Rückspiegeln = Rost!
Aber glücklicherweise kein Kulturschock heute!
Sonntag, Tag 10, in Reykjavik [km 1877 + 0]
Der Lada hat heute Ruhepause. Der Tag startet mit Regen - also "endlich" mal ein bisschen ausruhen.
Wir machen einen entspannten Museums-Tag und starten mit dem Phallusmuseum.
Neben vielen wissenschaftlichen Exponaten gibt es hier auch etwas für’s "zwinkernde Auge". Denn wer sich fragt, warum die Isländische Handballmannschaft hier abgebildet ist...
... findet die Antwort im Kasten daneben: Die "Abdrücke" des gesamten Teams finden sich hier als "Leihgabe". Ein interessantes Exponat.
Da das Wetter- ganz Island-typisch - plötzlich viel besser wird und wir starten einen Spaziergang zum alten Hafen.
Der Besuch des Sagamuseums ist aufschlussreich. Und die barbarische Geschichte ist Soff für beste Alpträume.
Auch heute entscheiden wir uns -gegen- das "Puffin and Whale Menu", sondern genießen 'ne leckere Isländische Suppe im Brot. Empfehlung!
Beim Abendspaziergang entdecken wir den Charme Reykjaviks...
... und freuen uns über die sympathische Kiez-Atmosphäre.
Schönes Land! Schöne Stadt!
Montag, Tag 11, Autowandern nach Akureyri [km 1877 + 383]
Wir verabschieden uns von unserem bestimmt 80-jährigen, netten Gastgeber und verlassen Reykjavik im Regen.
Das Autowandern durch die "relativ ruhige Gegend" macht hier wirklich Spaß. Es gibt wenig Verkehr, gute Straßen, man kommt zügig voran auch ohne Raserei. Wenn das mal nicht perfekt zum Lada passt
Als die Gegend - mit schneebedeckten (= gescheckten) Bergen wieder spannender wird, ...
... reißt auch der Himmel auf, und in Akureyri scheint die Sonne. Wir genießen den Abend im Hot Pot mit fantastischer Bergaussicht.
Voller Vorfreude auf die geplante Wal-Beobachtungstour im "Schlauchboot" geht’s zeitig ins Bett.
Dienstag, Tag 12, Ladas und Wale [km 2260 + 132 = 2392]
Bei bestem Wetter starten wir unsere Tour Richtung Husavik.
Bei der Tour über Berg und Tal mit gescheckten Bergen wirkt Island am heutigen Nationalfeiertag regelrecht verschlafen.
Wir freuen uns und sind geradezu demütig, dass die bisherige Fahrt für das Lada-Pannen-Logbuch so "unspannend" bleibt!
Die Straße nach Husavik diesmal nicht gesperrt. *Klasse*, das heißt wir kommen am Automuseum in Ystafell vorbei ( http://www.ystafell.is ).
Hier stehen über 100 Fahrzeuge, die wirklich in Island gefahren sind. Eine bunte und interessante Mischung. Ostblockfahrzeug steht hier neben Ami-Schlitten.
Ja, es gab nicht nur Lada auf Island, sondern auch Trabant ...
... und Wartburg, sowie Skoda und Moskwitsch. Wer hätte das gedacht?!
Hier steht auch die "Staatskarosse", mit der Gorbatschov und Reagan 1986 in Reykjavik gefahren sein sollen - erfahren wir vom freundlichen und kompetenten Museums-Mitarbeiter.
Er bestätigt, dass es früher viele Ladas gegeben hat. Sie waren früher "Zahlungsmittel" für sowjetische Fischerei-Rechte.
Ab den 1990-iger Jahren verschwanden die meisten Ladas, wie auch in Deutschland. Allerdings nicht durch Rost, wie vermutet.
Es waren wieder Russen (Fischer), die fast jeden Niva, den sie "ungeliebt" auf der Straße sahen, zu Spottpreisen zurückkauften, um ihn mit ihren Schiffen zurück in die "Heimat zu holen", wo ihre Beliebtheit noch ungebrochen war.
Im Sommer ist das Museum für Besucher geöffnet, im Winter werden hier Fahrzeuge restauriert, was auch der leckere Werkstattgeruch erahnen lässt. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätten wir auch diese inspizieren können....
Aber wir wollen ja noch Wale sehen.
Bei der Ankunft in Husavik haben wir 17°C, Sonne und wir merken dass wir selbst für das Boot viel zu warm angezogen sind. Wir lassen die Pullover und Jacken weg und freuen uns riesig, dass wir den "Wetter-schönsten" Tag unserer Reise auf dem Wasser verbringen werden.
Wir haben uns diesmal für eine Tour mit dem Schlauchboot (Speedboot) entschieden. Mit bis zu 100 km/h geht es auf "Motorradsitzen"...
... reitend aufs offene Meer! *Traumhaft*
Bei "Puffin Island" sehen wir Hunderte Papageientaucher (Lundis). Unser Tour Guide (eine Frau von den Westman Inseln) erzählt uns, wie sie mit diesen Vögeln aufgewachsen ist. Sie berichtet davon, dass sich regelmäßig Jungvögel in der Stadt (genauer gesagt in ihrem Kinderzimmer
Die anschließenden Beobachtungen sind atemberaubend schön. Wir sehen nacheinander 4 Buckelwale und 2 Zwergwale. "Live" ist das wirklich noch einmal etwas anderes als im Fernsehen (in Worten ist das auch gar nicht beschreibbar...).
(Und wie nah die Wale waren, kann man hier nur erahnen: http://www.youtube.com/watch?v=YUARS6ymOV8 )
Faszinierend, dass so große Säugetiere (die regelmäßig Atemluft brauchen) im Meer leben. Die Wale, die wir wirklich aus nächster Nähe sehen, tauchen relativ regelmäßig auf, um anschließend 2 bis 3 mal Luft zu holen, bevor sie wieder tiefer tauchen, um uns dabei Ihre charakteristische Fluke zu zeigen.
Welch ein Glück mit Wetter und Walen!
Aber um genau jenes nicht zu stark zu strapazieren, wird ein kleiner Wartungs-Stopp für den Niva eingelegt und die Kupplung nachgestellt. Jetzt hält sie hoffentlich bis zu Hause!
Zum Abschluss bilden wir uns noch ein wenig weiter - im Walmuseum. Die ausgestellten Skelette zeigen auf faszinierenden Weise, dass es wirklich Säugetiere sind (mit Halswirbeln, Kopf und einzelnen Fingerknochen).
Was für ein fantastischer Tag! Haben wir etwa Sommerbräune erhalten heute?
Mittwoch, Tag 13, nach Hallormstadur [km 2392 + 261]
Unser letzter großer Reisetag auf Island - und ich leide ein wenig unter dem Fieber des Sonnenstichs, den ich mir gestern geholt habe (unglaublich - auf Island
Wir machen keinen Umweg über den Dettifoss (den kennen wir ja schon), stattdessen genießen wir das Autowandern durch die schöne Landschaft.
Es ist schon Wahnsinn was man hier an einem einzigen Tag sehen kann: Blaues Meer, grüne Wiesen, rote Vulkane, silberne Seen, weiße Berge, rauschende Wasserfälle und natürlich stinkende Solfatarenfelder.
An letzterem (bei (Namaskard) halten wir unterwegs doch an und machen ein paar Fotos. Widerlich-schön diese Atmosphäre.
Anschließend sind unsere Schuhe voller stinkendem Schlamm, der Geruch von Schwefel und verfaulten Eiern sitzt in der Nase...
... aber es geht glücklich weiter, um uns an der abwechslungsreichen Landschaft und dem schönen "Island-Himmel" zu erfreuen.
Wir kürzen unsere Strecke diesmal etwas über's Hochland ab und besuchen den höchstgelegenen Hof Islands. Der Ort Mödrudalur besteht zwar nur aus ca. 5 Häusern, hat aber eine eigene Kirche (die hat der ehemalige Hofbesitzer für seine verstorbene Frau gebaut hat).
Die Tankstelle besteht aus drei kleinen Holz-Torfhäusern und zwei Ölfässern (leider ist mir das schönste Foto dazu abhanden gekommen - aber mehr dazu später).
Was stand noch im Reiseführer: "beeindruckende Einöde". Stimmt!
Auf dem anschließenden Bergpass säubern wir unsere (von den Fliegen des Myvatns verklebte) Scheibe mit Schnee.
Am Ende unserer heutigen Reise wollen wir unbedingt zum Hengifoss in der Nähe des Lagarfjöt wandern. Unterwegs dahin halten wir Ausschau, ob hier immer noch der gelbe Niva im Wald steht. Ja, er ist noch da!
Nein, der schöne Original-Grill wird nicht abgebaut, sondern lediglich ein Foto mit der LOMO "geschossen". Dabei fällt mir leider die Kamera herunter - und der Film springt raus.
War es der Wind, oder waren es Trolle? Oder war es einfach nur die Erinnerung an die anfänglich festgelegte Strategie: "Weniger Kamera (= Blick durch die Linse)", gegen die wir gerade mal wieder verstoßen haben?!
(Und nein, die Geschichte ist nicht frei erfunden, um die fehlenden "Wow"-Fotos der Wale zu erklären
Der Ärger über die verlorenen Fotos ist bei der anschließenden Wanderung zum Hengifoss schnell vergessen. Der Weg ist doch länger als gedacht, aber der Blick auf den Litlanesfoss, den wir unterwegs sehen, entschädigt für alles. Hier sieht man interessante Basaltsäulen-Formationen, die sich beim Erkalten der Lava gebildet haben.
Am Hengifoss selbst sind die unterschiedlichen Schichten aus Lava und Asche besonders gut zu erkennen, denn die Zwischenlagen aus dem gebildeten eisenhaltigen Erdboden sind hier durch die heißglühende Lava rötlich gefärbt worden.
Wir genießen den letzten Island-Abend bei "Lachs und Sonne" im "Alaska-Wald" in Hallormstadur.
Donnerstag, Tag 14, Abschied von Island [km 2653 + 54]
Über geschwungene Straßen und über den schönen "Bergpass mit Schnee" geht es zurück zur Fähre . Wir haben aus den Fehlern vom letzten Mal gelernt und benutzen die Motorbremse, um ein Heißlaufen der Bremsen zu verhindern. "Soso, Bremsen schonen, aber Kupplung stressen?! Schöne Strategie!
hält!" lautet die überzeugende Antwort!
Mit Vulkanasche auf dem weißen Niva passen wir perfekt in die Landschaft - und so müssen wir beim Abschied von Island doch noch einmal "Walter Mitty" denken, als wir ein letztes Mal die wunderschöne Aussicht auf den Seydisfjördur genießen.
Wir sind demütig glücklich, dass alles so gut geklappt hat (und hoffen, dass das Lomo-Film-"Negativ 25" nicht futsch ist. Aber so richtig wichtig ist das im Moment eigentlich gar nicht...
Wir trotz langer Wartezeit pünktlich auf’s Schiff ...
... und bei der langsamen Ausfahrt aus dem Seydisfjördur sehen wir nicht nur Wasserfälle - sondern wirklich auch noch einmal Wale!
Was für ein fantastischer Abschluss!
Samstag, Tag 16, der lange Weg zurück [km 2707 + 787 = 3494]
Bei der Tour nach Berlin erleben wir fast Isländische Wetterfronten. Sonne wechselt sich mit Starkregen ab. Wir "fahren durch" und drücken die Daumen, dass die Kupplung hält.
Hurra! Nach 9 Stunden Fahrt kommen wir abends heil in Berlin an.
Nach nunmehr insgesamt knapp 3500 gefahrenen, pannenfreien Lada-Kilometern
Wir haben endlich Wale aus der Nähe gesehen, wir haben Gletscher zu Fuß erklommen, und wir haben auf 'nem Vulkan getanzt!
So jetzt kommt eine Lobhymne auf den Niva: Unser Lada hat durchgehalten!!! Er hat uns ohne Murren durch Schnee, Eis, Vulkanasche und Schotter geführt, er hat Steigungen bewältigt und die lange Autobahnfahrt gemeistert - und das alles bei einem Kilometerstand von 90Tkm mit Original-Getriebe und Original-Kupplung!!! - Ein Hoch auf die Russentechnik und ein fettes Lob an Heisseluft für Wartung,
Tuning und Tipps!
Ich denke er wollte uns zeigen, wo er noch "gestreichelt" werden will, damit der dann auch die Reise ohne Störungen genießen kann!
Finales Urteil: (Auch mit kleinen Wehwehchen) = Absolut Langzeitreisetauglich!
Das ist das Schöne wenn man mit dem Niva aus einem schönen Urlaub wiederkommt. Man ist nicht nur traurig, dass es vorbei ist. Man ist auch glücklich, wenn man wieder heil zurückkommt. Pure Therapie!
Entspannte Grüße,
Fisch